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Razorlight


www.razorlight.co.uk
www.myspace.com/razorlight

Mitglieder:

Johnny Borrell (Vocals)

Björn Ågren (Vocals / Guitar)

Carl Dalemo (Bass)

Andy Burrows (Drums)

Gründungsjahr: 2002

Gründungsort: London

Ab und zu betritt sie dann doch mal die große Pop-Bühne. Diese Band, die aus dem Stand perfekt erscheint und deshalb selbst Träume erfüllen kann, die man bisher bestenfalls erahnen konnte. Eine Band, die geradezu unheimlich das Hier & Jetzt verkörpert und dabei doch gleichzeitig darüber hinausreicht, weil zumindest ein Auge schon neugierig nach dem nächsten Schritt schielt. Eine Band, deren musikalisches Esperanto sich in diesem Fall zu gleichen Teilen aus Amerikanisch, Englisch und Schwedisch zusammensetzt – ein elektrisierendes Gitarren-Meeting zwischen Atlantik und Nordsee, mit einer Stimme so britisch wie Cricket. Eine Band, deren Songs gestandene Mannsbilder schwach in den Knien werden lassen und, ja, die dank ihrer Optik auch den Mädchen nicht nur in der ersten Reihe hormonelle Stürme beschert. Diese Band heißt, richtig: Razorlight.

Es ist alles verdammt schnell gegangen für sie. Und dann auch wieder nicht. Aber dazu später mehr. Jedenfalls fanden im Sommer 2002 zunächst der Londoner Johnny Borrell und der Schwede Björn Agren zusammen, es funkte gleich bei den ersten Proben. Wenig später stießen Schlagzeuger Christian Smith-Pancorvo und Bassist Carl Dalemo, ein alter Freund von Agren, hinzu. Die ersten Aufnahmen machte der Manager mit einer Video-Kamera. Aber das reichte schon, um das Label-Interesse zu wecken und ein bisschen Vorschuss zu kassieren. Damit spielten Razorlight im Oktober des Jahres in den Toerag Studios in Hackney ihr erstes Demo ein. Davon war John Kennedy schwer beeindruckt. So schwer, dass der DJ des Londoner Indie-Rock-Radiosenders Xfm die Songs "Rock’n Roll Lies", "Rip It Up" und – bald als Schluss-Hymne - "In The City" in seiner Show spielte.

Die Reaktionen draußen ließen nicht lange auf sich warten. Fans tauschten im Internet ihre Bootleg-Versionen der Razorlight-Demos aus den Xfm-Sessions. Die Band indes war schon einen Schritt weiter und nahm – wir schreiben den Sommer 2003 – neue Demos auf, diesmal in den Westside-Studios. Das Ergebnis entfachte einen Label-Wettstreit um das Quartett, den schließlich Mercury gewann. Dieser Ruf – und ein paar wackelige MP3-Files – reichten, um Razorlight im August eine Einladung zum Summer Sonic-Festival in Japan zu bescheren, noch bevor daheim das Toerag-Demo von "Rock’n Roll Lies" als erste Single offiziell veröffentlicht wurde. Das limitierte Debüt schrammte nur knapp an der Top 40 vorbei. Razorlight tourten mit The Hiss durch Großbritannien und feierten eine rauschende Single-Release-Party in der Kings Cross Pool Hall. Allein schon deshalb ein bemerkenswerter Abend, weil etliche Eintrittskarten dafür gestohlen und dann bei E-Bay für erstaunliche Summen gehandelt wurden....

Der Stellenwert von Razorlight – und das Vertrauen, das die Band bei ihrer Firma genießt - zeigten sich auch, als dann niemand anders als Steve Lillywhite zur Tat schritt. Der renommierte Produzent (XTC, Talking Heads, U2, Morrissey etc.) nahm sogar eine vierwöchige Auszeit von seinem Posten als Managing Director von Mercury UK, um sich voll auf das Debütalbum der Band konzentrieren zu können. Eine grimmige Version von "Rip It Up" als nächste Single war das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Razorlight verkrochen sich weiter in den RA K-Studios (wenn Paul McCartney dort nicht gerade zu tun hatte...), die basic tracks wurden live aufgenommen, um die Bühnendynamik der Band zu erhalten. Parallel tourten sie weiter intensiv, u.a. mit The Hope Of The States, den Bellrays und The Raveonettes.

Im Januar 2004 konnten Razorlight schließlich ihre erste UK-Tour als Headliner ausverkaufen. Doch zurück von der Bühne musste die Band erstmal einen garnicht so kleinen Schock verkraften: Steve Lillywhite hatte Mercury verlassen, um wieder U2 zu produzieren. Nicht gerade angenehm, auf einen Schlag Produzent und Label-Chef zu verlieren. Unbeirrt arbeiteten Razorlight einfach mit einem neuen Studio-Mann weiter. Dass John Cornfield alle Qualitäten besaß, um selbst in die Fußstapfen eines Steve Lillywhite treten zu können, zeigte sich schnell, als es wieder zur Sache ging, diesmal in den Sphere Studios Battersea. Doch kaum hatte die neue Konstellation den richtigen Vibe gefunden, tauchte das nächste Hindernis auf. Nach nur einer Woche musste Cornfield wegen einer Familienangelegenheit aussteigen und ins heimische Cornwall zurückkehren. Was nun?

Razorlight folgten zunächst dem Ruf in die USA, wo sie ausverkaufte Shows in New York spielten und beim bekannten South-By-Southwest-Festival in Austin, Texas abräumten. Während natürlich auch die Ungewissheit an ihnen nagte, was denn nun aus ihrem ersten Album werden würde, das schon sehnlichst erwartet wurde. Als sie aus den Staaten zurückkehrten, hing Cornfield immer noch in Cornwall fest. So musste denn der Berg zu Mohammed kommen. Razorlight verlagerten ihr Camp gen Westen und konnten endlich im dritten Anlauf ihr Debüt fertigstellen, im Sawmills-Studio von John Cornfield.

So weit, so gut. Album fertig, eine neue Tour als Headliner vor der Tür. Doch einer blieb jetzt auf der Strecke. Christian Smith-Pancorvo war der nervenaufreibende Terminplan nebst geschilderter Schwierigkeiten offenbar an die Substanz gegangen, der Drummer erklärte ob angegriffener Gesundheit seinen Ausstieg. Nur zwei Wochen vor dem Start der großen Tour spielte er seinen letzten Gig mit Razorlight. Da musste schnellstens Ersatz her. In zwei Tagen testete die Band nicht weniger als 62(!) potenzielle Nachfolger, Andy Burrows hieß schließlich der Glückliche. Eine Wahl, die Johnny Borrell mit dem ekstatischen Kompliment kommentierte, Burrows sei ein "one in a million drummer."

Und so konnte am 28. Juni 2004 doch noch das Debüt von Razorlight das Licht der britischen Öffentlichkeit erblicken. Nach einem Albumtrack "Up All Night" betitelt, versammelt es Live-Favoriten wie das rotzige "Leave Me Alone", "Rock’n Roll Lies" und "Rip It Up", sowie das eher introspektive "Stumble And Fall", das Ende Januar in der Top 20 notiert war. Dazu kommen die Melancholie eines "Which Way Is Out", der warme Schwung der Top Ten-Single "Golden Touch" und das epische "To The Sea". So spannen Razorlight einen stilistischen Bogen, von dem die meisten ihrer Zeitgenossen nur träumen können. Die eine Band eben, die nur ab und zu mal die große Pop-Bühne betritt.

 



 

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